Das Continental-Gebiss, oft als Kontinentalgebiss oder Pessoa-Typ bezeichnet, ist ein echtes „Schweizer Taschenmesser” unter den Springgebissen. Sein charakteristischer Aufbau mit mehreren seitlichen Ringen macht es zu einem der vielseitigsten Werkzeuge in der Hand eines kundigen Reiters.
Wenn dein Pferd im Parcours stark sein kann, gleichzeitig aber ein Signal braucht, das es zum Anheben der Vorhand ermutigt, kann das Continental-Gebiss das fehlende Element eurer Kommunikation sein.
1. Die Mechanik des „Anhebens” und der Hebelwirkung
Die meisten Gebisse mit Hebelwirkung (wie das Pelham oder die Kandare) nutzen eine Kinnkette, die das Mundstück gegen den Unterkiefer drückt. Das Continental-Gebiss wirkt anders – es hat keine Kinnkette.
- Druck auf das Genick: Beim Aufnehmen des an den unteren Ringen befestigten Zügels wird die Trense leicht nach unten gezogen, was Druck auf das Genick des Pferdes ausübt und ihm nahelegt, den Kopf zu senken.
- Anhebender Effekt (Gag-Wirkung): Eine einzigartige Eigenschaft des Continental-Gebisses ist, dass das Mundstück dazu neigt, leicht nach oben im Maul zu gleiten (in Richtung Maulwinkel). Dieses Signal ermutigt das Pferd, das Maul anzuheben und die Vorhand zu entlasten – ideal für Pferde, die sich an der Hand „aufhängen”.
2. Drei Kontrollstufen in einem Gebiss
Der Hauptvorteil des Kontinentalgebisses ist die Möglichkeit, die Wirkungsstärke durch Ändern der Zügelbefestigung zu regulieren:
- Der große, Hauptring: Das Befestigen des Zügels hier lässt das Continental-Gebiss fast identisch wie ein klassisches Olivenkopfgebiss wirken. Die Hebelwirkung ist null.
- Der mittlere Ring: Führt eine moderate Hebelwirkung ein. Das ist die häufigste Wahl für das tägliche Springtraining bei Pferden, die eine leichte Korrektur brauchen.
- Der unterste Ring: Erzeugt die stärkste Hebelwirkung. Er ermöglicht eine wirksame Kontrolle über sehr starke Pferde, die in der Parcours-Aufregung subtilere Signale ignorieren können.
Vergleich: Continental-Gebiss vs. gewöhnliches Gebiss
| Merkmal | Gewöhnliches Gebiss | Continental-Gebiss (Pessoa) |
| Hauptdruckpunkt | Maulwinkel / Zunge | Genick / Maulwinkel |
| Hebelwirkung | Keine | Regulierbar (3 Stufen) |
| Anhebender Effekt | Keiner | Sehr ausgeprägt |
| Kinnkette unter dem Kiefer | Keine | Keine |
Für welche Pferde wurde das Continental-Gebiss geschaffen?
Dieses Gebiss ist nicht „scharf” im traditionellen Sinne des Wortes, aber es ist sehr konkret. Wir empfehlen es besonders für:
- „Tauchende” Pferde: Solche, die vor dem Hindernis das Gewicht auf die Vorhand verlagern und den Kopf zwischen die Beine nehmen.
- Starke, aber empfindliche Pferde: Die Kontrolle brauchen, aber den Druck einer Kinnkette unter dem Kiefer (charakteristisch für das Pelham) nicht akzeptieren.
- Junioren und Amateure: Die starke Pferde reiten, wo eine „Sicherheitsbremse” gebraucht wird, die das Pferd nicht so stark bestraft wie eine klassische Kandare.
Wenn du die Wirkung des Continental-Gebisses ausgleichen möchtest, verwende einen sogenannten Gebissverbinder (Rounding-Riemen). Er verbindet den großen Ring mit dem unteren Ring und ermöglicht eine gleichmäßige Verteilung der Hebelkraft auf einen Zügel.
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